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Bernhard Strauß
© Bernhard Strauß
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UWC Robert Bosch College Kartaus Freiburg

Als 14. Ableger der internationalen und interkulturellen United World Colleges wurde 2014 im Osten von Freiburg die historische Kartäuser-Klosteranlage zum ersten deutschen Standort umgebaut. Das Kulturdenkmal mit historischen baulichen Anlagen wurde gemäß den energetischen Ansprüchen und den Auflagen des Denkmalschutzes saniert und um einen Neubau erweitert. Die dreiflügelige Anlage mit Torhäuschen und Kapelle beherbergt Bibliothek, Verwaltung, Labore und Unterrichts­räume, die in Clustern angeordnet sind, um zeit­gemäßen Lernkonzepten Raum zu bieten. Im Neubau befinden sich das Auditorium, die Mensa und die Küche.

Die exponierte Lage des Klosters über dem Dreisam-Ufer wurde beibehalten und der Neubau rückwärtig dem Bestand hinzugefügt. Er passt sich baulich wie optisch mit einer begrünten schrägen Frontfassade in den Hang ein und bildet so ein homogenes Ensemble mit dem angrenzenden Hochgarten. Der Speisesaal der Mensa wird von einem Hof zwischen moderner und klassischer Architektur erschlossen. Eine Ebene darüber befindet sich das ver­glaste Auditorium als Pavillon im Hochgarten, das als Veranstaltungsort für Theater und Musikaufführungen das Herzstück der Anlage bildet.

Eine Besonderheit der Anlage ist das einzigartige Lüftungssystem. Durch eine ­kanalfreie Be- und Entlüftung der Klassen­räume waren nur minimale Eingriffe in die historische Substanz nötig. Die natürliche Lüftung im Audi­torium wurde mittels zwei ­Erdkanälen und einem Venturiflügel auf dem Gründach verwirklicht, welcher bereits durch schwache Winde einen Unterdruck erzeugt, der dafür sorgt, dass die Luft, zusätzlich zu ihrem thermischen Auftrieb, aus dem Gebäude gesogen wird.

Die Innenraumgestaltung hält die Waage zwischen moderner Klarheit, wie sie die Mensa optisch bestimmt und hoher Materialität, wie sie die halbkreisförmig angeordneten Sitz­stufen aus Seekiefern­holz im Auditorium ausstrahlen. So wurden durch Farbe und Materialität auf der einen Seite eine ­Differenzierung der einzelnen Funktionsbereiche erreicht; auf der anderen Seite ein harmonischer Kontrast zum denkmalgeschützten Bestand ­geschaffen, der den Anforderungen ­moderner Hochschulabläufe gerecht wird und ­zudem ausreichend Gruppenarbeits- und ­Kommunikationsflächen bietet.

© Bernhard Strauß
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Gemäß dem pädagogischen ­Konzept des United World Colleges, das Schüler aus den unterschiedlichsten Kultur­kreisen zusammenbringt, stehen Austausch und Zusammenarbeit auch im Fokus der Architektur. Traditionelle ­Konzepte nach dem Klassenzimmer­modell verlieren merklich ihre Vormacht­stellung im schu­lischen Leben und werden zugunsten von Lernautonomie und freier Gruppenarbeit ­aufgebrochen. Mit Gemeinschaftsplätzen wie der Bibliothek, die in der früheren Kapelle eingerichtet wurde und den cluster­haft konzipierten Unterrichts­räumen werden selbstorganisiertes ­Lernen gefördert und kulturelle ­Barrieren abgebaut.

Die ideologische Nähe des Namens­gebers des Instituts zu dem Vordenker der Pädagogik des UWC, Kurt Hahns, findet in dem Internatsstandpunkt ein architektonisches Zeugnis. Bei dem Projekt handelt es sich um das bis dato größte Einzelvorhaben der Robert-Bosch-­Stiftung, das anlässlich des 150. Geburtstags Boschs verwirklicht wurde.

Baujahr
2014
Bauherr
Robert Bosch Stiftung GmbH
Fläche
12.000m² BGF
Standort
Kartäuserstraße 119
79104 Freiburg
Deutschland
Beteiligte
Tragwerksplanung: AHW Ingenieure, Mohnke & Höss; Landschaftsplanung: Becker+Haindl; Fotografie: Bernhard Strauß

hotz + architekten

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Baslerstraße 55
79100 Freiburg
Deutschland

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