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Stefan Müller
© Stefan Müller
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Mediacampus Frankfurt

Die Gebäude des Mediacampus ­weisen auf eine lange Tradition hin. Seit den 1960er Jahren dient das Areal in ­Frankfurt-Seckbach als zentrale Aus- und Weiterbildungsstätte für den Bereich Verlag und Buchhandel. Die ehemalige Buchhändlerschule umfasst neun Gebäude. Dem aus der Zeit um 1900 stammenden Altbau fügten Walter Schwagenscheidt und Tassilo Sittmann 1962 ein Unterrichtsgebäude, ein Internat, das Direktorenhaus und die Mensa hinzu. Wolfgang Bader und DW Dreysse erweiterten zehn Jahre später den Internatsbau und ergänzten die ­Gesamtanlage um zwei weitere ­Gebäude – die Bibliothek und das Internat der Fachschule. Das Gebäudeensemble bildet einen ­Campus, der ein eigen­ständiges, in sich ­abgeschlossenes Lern- und Wohnumfeld darstellt. Zweimal im Jahr kommen die Auszubilden­den im Rahmen ihres Berufsschul­unterrichts für neun Wochen auf das Gelände. Als anerkannte staatliche Ersatzhochschule bietet der ­Mediacampus nicht nur Unterricht für angehende Buchhändler und Medienkaufleute, auch bereits Berufstätigen wird eine Weiterbildung ermöglicht. Die Lehre zeichnet sich durch eine enge Verknüpfung der unterschiedlichen Bereiche aus. Kompetenzen werden individuell und fächerübergreifend geschult, das Miteinander steht dabei aber immer im Vordergrund. Für diese Zwecke sind auf dem Areal 11 Unterrichts- und Seminarräume, 77 Übernachtungszimmer und zwei Veranstaltungsräume eingerichtet. Zusätzlich dienen Mensa und Cafeteria als zentrale Treffpunkte.

Die anstehende energetische ­Sanierung nahm Dirk Miguel Schluppkotten zum Anlass, dem Gebäudekomplex ein freundlicheres Gesicht zu verleihen. Dabei stand der möglichst respektvolle Umgang mit dem Gebäude­bestand im Vordergrund. Die Konzeption von Schwagenscheidt und Sittmann wird weitestgehend aufgegriffen und ­optimiert, der „Raumstadt“-­Gedanke dient weiterhin als wesentliches Entwurfs­konzept.

© Stefan Müller
© Stefan Müller

Dem aus Kostengründen alternativlosen Einsatz eines Wärmedämmverbund­systems konnte in der Auseinander­setzung mit den collagenhaften ­Arbeiten Schwagenscheidts ein klares ­gestalterisches Konzept zugewiesen werden. Die Putzoberflächen zeigen feine Unterschiede in der Tönung, sodass die Gebäudevolumen insgesamt eine abstrakte Komposition aus Ober­flächen ergeben. Die abstrakten, teilweise monochromen Bildkompositionen von ­Serge Poliakoff, die schon Schwagenscheidt und Sittmann faszinierten, standen hier Pate. Im Kontrast zur kühlen Flächigkeit des Äußeren steht die plas­tische Materialität der Innenräume.

Bei dem alten Schulbau, dem ­neuen Internat, der Bibliothek und der ­Mensa wurden Umbau- und Sanierungs­arbeiten im Bereich der Fenster, ­Dächer und Terrassen vorgenommen. Die Holz-Aluminium-Fenster wurden in der Dämmebene angeordnet – neben dem energetischen Vorteil ergibt sich so die angestrebte flächige Wirkung der ­Fassade. Im Dachbereich wird die ursprüngliche Kubatur der Gebäude durch einen gestuften Dachrand sichtbar gemacht. Die Innenräume wurden zum Teil neu gegliedert und heutigen Anforderungen entsprechend neu gestaltet.

Im Internat wurden Zimmer und Bäder neu entworfen und ein neues Brandschutz- und Lichtkonzept für den Flurbereich entwickelt. Bücherei und Seminarräume des Bibliotheks­gebäudes wurden neu konzipiert und auch die Mensa erhielt im Speisesaal eine Um­gestaltung. Bei allen sanierten Gebäuden liegt eine besondere Betonung auf den Eingangsbereichen, die durch Türen und großflächige Innenver­kleidungen aus natur­belassenem Holz einen ein­ladenden Charakter ausstrahlen.

Holz-Akzente an den Gebäudeöffnungen und im Fassaden- und Außenbereich akzentuieren die ansonsten schlichten Fassadenflächen und verleihen dem Gebäudekomplex ein durchgängiges Erscheinungsbild. Die Vereinheitlichung der Gebäude betont darüber hinaus die zentrale Rolle der Vegetation, die Schwagenscheidts Arbeiten als raum­bildendes und atmosphärisches Element immer geprägt hat.

Der Entwurf schafft es auf eindrucksvolle Weise, unterschiedliche bauliche Jahrgänge zu einem ­homogenen ­Ensemble zu vereinen und so einen Ort des ­Lernens und der Begegnung zu schaffen.

Baujahr
2014
Bauherr
mediacampus frankfurt - die Schulen des Deutschen Buchhandels
Fläche
7.000 m² BGF
Standort
Wilhelmhöher Straße 283
60389 Frankfurt am Main
Deutschland
Beteiligte
Fotografie: Stefan Müller

Dirk Miguel Schluppkotten

Dirk Miguel Schluppkotten Architekten BDA
Vilbeler Straße 31
60313 Frankfurt am Main
Deutschland

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