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Zooey Braun
© Zooey Braun
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Labor für Wasserwesen

Mit einem weißen kubischen Laborbau wurde der architektonisch heterogene Campus der Münchner Bundeswehr­universität um ein subtiles Element erweitert, das den Anspruch hat, auch für die Folgebebauung des Geländes optisch prägend sein zu können.

Der langgestreckte flache Neubau ent­faltet seine prägnante ­Außenwirkung besonders bei Anbruch der ­Dämmerung. Wird er von innen beleuchtet, gibt die tagsüber gleichmäßig weiße ­Fassade ihre binäre Materialität zu ­erkennen. Ihr unteres Drittel besteht aus einem lasierten Holzrahmenbau mit Lärchen­verkleidung; der ­darüberliegende Teil wurde aus ­zweischaligen Polycarbonat-­Doppelstegplatten ­ent­worfen, die nachts das Holztragwerk nach außen durchscheinen lassen und bei Tag das ­einfallende Sonnenlicht in eine gleichmäßige Innenraumbeleuchtung ­umwandeln. Ausge­glichene Lichtverhältnisse im Innern sind für die Nutzung als Versuchsraum von ent­scheidender Bedeutung, da hier ein Spiel aus Licht und Schatten sowohl für ­irritierende optische Brechungen im ­Wasser, als auch zu schwankenden ­Temperaturen führen kann.

Der Innenraum ist zugunsten jeder Art von Versuchsanordnung frei von Möbeln und Stützpfeilern. Der Hallen­charakter wird nur durch einen inte­grierten schwarzen Kubus gebrochen, der wiederum in zwei Etagen mit kleineren Labor- und Lagerräumen aufgeteilt ist. Bis auf eine Verbindung der schwarzen Holzbox mit der Nordfassade im Erd­geschoss, wirkt diese wie ein voll­ständig freistehendes Raumelement, das trotz des farblichen Kontrasts durch seine Materialität mit der Halle ­kommuniziert. Die rechtwinkligen Linien der „Black Box“ werden von den ­diagonal anein­ander lehnenden Dreigelenkelementen des Tragwerks ergänzt.

Trotz strenger Vorgaben bezüglich der ­inneren und äußeren Hallen­abmessungen gelang es den Planern, der Nüchternheit eines naturwissen­schaft­lichen Versuchsgebäudes eine eindrucksvolle skulpturale Raumwirkung entgegenzustellen, ohne dass dies zu Lasten der Konzentrationsfähigkeit der Forscher geschehen würde. Das Labor zeigt klare Formen und bietet ausreichend Platz sowie ideale Lichtverhältnisse für ein weites Spektrum an Versuchsanordnungen. Die diagonale Trägerstruktur lässt außerdem die Möglichkeit offen, den Komplex in Zukunft je nach Bedarf baulich zu erweitern.

© Zooey Braun
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Baujahr
2012
Bauherr
Staatliches Bauamt München 1
Standort
Werner-Heisenberg-Weg 39
85579 Neubiberg
Deutschland
Beteiligte
Tragwerksplanung: ­Behringer Ingenieure, München; Fotografie: Zooey Braun

Brune Architekten BDA

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