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Constantin Meyer
© Constantin Meyer
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Gymnasium Oberursel

Beim Ausbau des städtischen Gym­nasiums in Oberursel zum sieben­zügigen Schulbetrieb verfolgte das Büro ­v-architekten das Leitbild einer „kleinen Stadt in der Stadt“. Die neu ­gesetzten Baukörper lassen eine eigene Infra­struk­tur im Gefüge der Schule entstehen und definieren den Schulbau als Lernraum und Lebensraum zugleich.

Das Zentrum des ganzen Ensembles bildet der zentrale, großzügige Schulhof, welcher nach Nordost und Südwest von jeweils dreigeschossigen Baukörpern begrenzt und dadurch vom Straßenlärm abgeschirmt wird. Als Pendant zum „städtischen Platz“ dient der Schulhof als Erschließung der umliegenden Gebäude­körper und schafft eine klare Orientie­rung als öffentlicher Platz auf dem Gelände. Die angrenzenden Bau­körper reagieren in ihrer Ausformung unterschiedlich auf die ­vorgefundenen städtebaulichen Gegebenheiten: Nach Süden hin schirmt ein Riegel den Komplex zu einer vielbefahrenen Straße ab,während sich die nördlichen Baukörper u-förmig mit eigenen Grünhöfen und einer Baumreihe diffundierend zur angrenzenden Wohnbebauung öffnen. Ganz im Sinne der Schule als Lebensraum organisieren sich die nördlichen Baukörper intern als „Schulvillen“ im Gesamtgefüge.

Als Jahrgangscluster zusammengefügt ­verfolgen diese ein zeitgenössisches pädagogisches Prinzip, bei dem sich mehrere Klassenzimmer um einen ­ge­meinschaftlichen Lern- und Kommuni­kationsbereich gruppieren, der sowohl das eigenständige, als auch das klassenübergreifende Lernen fördern soll. Gleich einer Stadthalle übernimmt die Aula, welche im alltäglichen Schulbetrieb als Mensa genutzt wird, die Funktion der kulturellen Mitte des Komplexes. Eine integrierte Bühne ermöglicht hier das Abhalten größerer Veranstaltungen oder Konzerte, wie sie der Profilschwerpunkt der Schule als Musikgymnasium mit sich bringt. Die zwei seitlich angeordneten Foyers ermöglichen des Weiteren die Öffnung des Raums zum zentralen Schulhof.

© Constantin Meyer
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Als Konsequenz aus dem knappen Platzangebot des Bestandsgrundstücks wurde die neue dreifach Sporthalle in den Boden unter dem dadurch groß­zügig ausfallenden Schulhof platziert. Über begehbare Oberlichter entsteht eine besondere Verbindung zwischen der Sporthalle und dem ­öffentlichen Platz. Eine ­vielseitige ­Erschließung ­ermöglicht zudem die ­problemlose Nutzung der Halle außer­halb der Schulzeiten durch den Vereins­sport.

Das neue Schulgebäude wurde mit Hilfe von wenigen Materialien bewusst reduziert gestaltet. Um eine ­privatere ­Atmosphäre zu erzeugen wurden beispielsweise die „Klassenvillen“ vor­wiegend mit Holzoberflächen ausgeführt, während in den öffentlichen Bereichen Sichtbetonflächen mit unterschiedlichen Oberflächen vorherrschen.

Das gesamte Konzept wird schließlich noch durch die herausragende Gebäudetechnik abgerundet, welche eine 30%ige Unterschreitung der Vorgaben aus der Energieeinsparverordnung ermöglicht und den Neubau nahezu auf Passivhausstandard anhebt.

Baujahr
2012
Bauherr
Hochtaunuskreis
Fläche
25.800 m² BGF
Standort
Zeppelinstraße 24
61440 Oberursel
Deutschland
Beteiligte
Tragwerksplanung: Schüßler Plan; Bauleitung: v-architekten mit schneider + schuhmacher B GmbH; TGA: Iproplan; Fotografie: Constantin Meyer

v-architekten

v-architekten GmbH
Huhnsgasse 42
50676 Köln
Deutschland

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