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Eberhard Franke
© Eberhard Franke
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Gymnasium Grünwald

Die bauliche Organisation und Gliederung der Schulanlage in klar ablesbare Einzelbauteile folgen den thematischen Vorgaben des Raumprogramms und dem Campus-Gedanken. Die groß­zügigen pädagogischen Innenbereiche waren in dieser Form im Raumprogramm noch nicht enthalten, sondern sind Bestandteile des architektonischen Gebäudekonzepts. Die fließenden Raumabfolgen geben ein Gefühl von Freiheit. Das Campus-Gymnasium kann auch als Landschaft aufgefasst werden: Man kann es durchwandern und dabei immer neue Lieblingsplätze, Blickbeziehungen, Stimmungen und Überraschendes finden. Ein angemessener Lebensraum für eine Schulfamilie, die an diesem Ort in „rhythmisierter Ganztagesstruktur“ sehr viel Zeit verbringen wird.

Das Rückgrat der gegliederten Schulanlage ist das Erschließungsgebäude. Man betritt das Gebäude über eine weit­räumige Pausenhalle. Im weiteren Verlauf teilweise zwei- bis dreigeschossig, ist sie innenräumlich abwechslungsreich gegliedert.

Die zweigeschossige Aula kann über eine breite Öffnung mit der Eingangshalle verbunden werden, darüber schwebt eine Zuschauerempore. In Verbindung mit der Eingangshalle bietet die Aula Raum für etwa 440 Sitzplätze. Vor den Zugängen zu den Klassen befindet sich der zentrale Garderobenbaukörper. Er ist zur Straße als Schaufenster ausgebildet. Dieser belebte und mit farbigen Spinden attraktive Ort wirkt hell und freundlich und zeigt dieses Bild auch nach außen hin.

In den Klassenräumen sorgen Band­fassaden für eine gleichmäßige Tageslichtversorgung. Naturwissenschaftliche Fachklassen sind mit deckenbasierten Medienversorgungssystemen ausge­stattet. Alle Klassenräume erhielten elektronische Tafeln und eine ­dynamische Beleuchtungssteuerung: Aus voreingestellten Lichtstimmungen kann von hell-kalt bis zu gedämpft-warm gewählt werden. Mobile Wände ermöglichen in den ruhigeren Baukörperenden die vollständige Öffnung der Klassen zum Erschließungs­bereich für besondere ­Nutzungen wie „Offenes Klassen­zimmer“ und übergreifende Projektarbeiten.

© Eberhard Franke
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Die Unterrichtsräume gruppieren sich um großzügige Innenbereiche mit offenen Treppen und Galerien. Die Innen­zonen sind nicht durch die An­forderungen an erste Fluchtwege belastet und können daher als Aufenthaltsbereiche, für Ausstellungen oder Gruppenarbeiten als pädagogische ­Flächen voll genutzt werden. Beim ­Konzept der offenen Ganztagsschule kommt dieser Raumfolge außerhalb der Klassen eine besondere Bedeutung im Tagesablauf zu. Fest eingebaute ­Mäander-Möbel laden ein zum Sitzen, Stehen, Schreiben, Lesen oder Präsentieren. Für kleine Gruppen stehen zudem vier verglaste „Think-Tanks“ zur Ver­fügung.

Die Dreifach-Sporthalle bildet den Abschluss der Anlage. Die Spiele­bene ist ein Geschoss tiefergelegt, ein Tribünenbereich bietet Sitzplätze für 225 Zuschauer. Für Schüler und Sportverein stehen u.a. ein Fußballfeld mit Kunst­rasen und 400 m-Bahn, ­Hartplätze und ein Beachvolleyballfeld bereit. Mensa, Mittagsbetreuungs- und Musik-Übungsräume bilden ein von der Schule losgelöstes separates ­Gebäude im ruhigen Teil des Geländes. Der ­zweigeschossige Speisesaal mit 130 ­Plätzen und die Mittagsbetreuung ­orientieren sich direkt auf die Frei­bereiche.

Die Gemeinde Grünwald ließ sich für ihr Wunschprojekt ein eigenes pädago­gisches Konzept erarbeiten. Das mit dem Entwurf betraute Architekturbüro entwickelte dazu eine systematische ­pädagogische Architektur und gab diesen Ideen die räumliche und gestalterische Prägung. Die neue Schulleiterin fand für ihre innovativen pädago­gischen Ansätze hier die konzeptionelle und architektonische Voraussetzung, um diese weiter zu entwickeln und das „Gymnasium der Zukunft“ mit Leben zu erfüllen.

Baujahr
2014
Bauherr
Gemeinde Grünwald
Fläche
25.600 m2 BGF
Standort
Laufzorner Straße 1
82031 Grünwald
Deutschland
Beteiligte
Tragwerksplanung: Sailer Stephan Partner; TGA: Konrad Huber GmbH; Fotografie: Eberhard Franke

Bauer Kurz Stockburger & Partner

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Nederlinger Straße 4
80638 München
Deutschland

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