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Klemens Ortmeyer
© Klemens Ortmeyer
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Niedersächsisches Forschungszentrum für Fahrzeugtechnik

Mit dem Bau des Niedersächsischen Forschungszentrums für Fahrzeugtechnik auf dem Forschungsflughafen in Braunschweig sollte eine offene Arbeits­welt entstehen, in deren ­Zentrum auf dem Gebiet der Fahrzeugtechnik entwickelt und geforscht wird. An oberster Stelle stand für die pbr Planungsbüro Rohling AG die Komponente der Kommunikation, welche durch einen flexiblen ­Grundriss, einen hohen Anteil an Transparenz und geschossübergreifende vertikale Kommunikations­zonen gewährleistet wird.

Der Gebäudekomplex ist in das Instituts­gebäude, welches den ­Kopfbau darstellt und das Technikum ­aufgeteilt. Verbunden werden die beiden Hauptnutzungs­be­reiche durch einen ­be­grünten Innenhof und von außen durch die umhüllen­de Fassade, die aus Aluminium-Verbund-Tafeln ­besteht. Die glatte Oberfläche schafft ein ­dynamisches Fassadenbild, wobei Farbe und Materialität eine Assoziation zum Automobilbau herstellt. Der dreigeschossige Kopfbau stellt das Zentrum des Komplexes dar und bietet Raum für Projekt­arbeiten in Institutsbüros, Vorlesungs- und Tagungsbereichen und Projekthäusern, welche ­temporäre Arbeitsbereiche für ­interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppen zur Verfügung stellen. Zudem werden vom Wandelfoyer aus die Bibliothek, PC-Pools und die Cafeteria erreicht. Das angeschlossene, zweigeschossige Technikum kann von hier aus direkt über die Büros erschlossen werden. Es ist mit Versuchs- und Laborflächen, Werk­stätten und Prüfständen, welche auch für Extrem­bedingungen nutzbar sind, ausgestattet. Im Obergeschoss befinden sich verschie­dene Labore und die Technik­zentrale. Den Mittelpunkt des Technikums bildet die fünfschiffige, offene Halle, um welche Prüfstände und Werkstätten in U-Form angeordnet sind und die sich von außen auch mit Fahrzeugen er­schließen lässt. Das Wegenetz, welches die Orientierung in der Halle ­erleichtert, ist ­rechtwinklig angeordnet und verfügt über eine West-Ost-Magistrale, welche die südlich gelegenen Versuchsflächen von den nördlich stationierten Prüf­ständen trennt. Die Halle greift den Schwerpunkt des interdisziplinären Austauschs und der Kommunikation auf und ist institutsübergreifend nutzbar.

© Klemens Ortmeyer
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Auch konstruktiv sind die beiden Hauptnutzungsbereiche voneinander ­getrennt. Während der Institutsbereich aus Stahlbetondecken, die auf Stahlbeton­stützen und tragenden Wänden aufliegen, ausgebildet ist, verfügt das Technikum über Stahlbetonfertigteilstützen. Neben den Stützen sind die Prüfstände als massive Stahlbetonkonstruktion ausgebildet. Die Dachtragschale besteht aus Trapez­blechen mit großen Spannweiten.

Ein wichtiger Aspekt des Entwurfs ist es, mit dem hohen Energiebedarf des Forschungszentrums umzugehen. Dieser Bedarf ist bereits durch bauliche Maßnahmen minimiert und die Energieversorgung durch ­effiziente Gebäudetechnik optimiert worden. Aufgrund des hohen Verglasungsanteils, der Tageslicht im gesamten Gebäude zulässt und im Winter durch Sonneneinstrahlung auf der Südseite für Wärme sorgt, ist ein hocheffizienter Sonnenschutz eingeplant worden. Eine besondere Komponente der Wärmegewinnung ist zudem die Nutzung von Abwärme der Verbrennungsmotoren aus den Prüfständen über Wärmetauscher. Durch diese Ausstattung eines Null­energiehauses und die Möglichkeit, Arbeitsgruppen aus unterschiedlichen Forschungsbereichen zusammenzuführen, stellt das Forschungszentrum einen Arbeitsraum dar, der sich auf dem Gebiet der Fahrzeugtechnik auszeichnet und interdisziplinär funktioniert.

Baujahr
2014
Bauherr
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Fläche
14.000 m² BGF
Standort
Langer Kamp 19
38106 Braunschweig
Deutschland
Beteiligte

pbr Planungsbüro Rohling AG

pbr Planungsbüro Rohling AG
Albert-Einstein-Straße 2
49076 Osnabrück
Deutschland

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