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Dietmar Strauß
© Dietmar Strauß
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Bismarckschule Stuttgart

Die Bismarckschule steht städtebaulich wie auch kulturell in einem ­hetero­genen Kontext. Unter den umliegenden Wohn- und Geschäftsbauten befinden sich sehr uneinheitliche Objekte der letzten Jahrzehnte und herausragende Altbauten wie die Feuerbacher Festhalle. Die Schülerschaft setzt sich aus Kindern unterschiedlicher Herkunft zusammen und prägt so die bunte Identität der Schule ebenfalls mit.

Bei dem Hauptgebäude handelt es sich um einen um 1900 errichteten denkmal­geschützten Backsteinbau, der mit weitläufigen Fluren, hohen Klassen­räumen und vielen Fenstern ein hochwertiges Lernumfeld bietet. ­Neben einer ­stimmigen und unauf­fälligen ­Erweiterung aus den 1930er Jahren ­trübten allerdings bauliche Maßnahmen aus den Sechzigern und Siebzigern das Bild, die mit Nebenräumen zugebaute Flure im Untergeschoss mit sich ­brachten. Im Zuge einer eineinhalb Jahre langen Umbauphase konnten 2010 der­artige Mängel beseitigt und der gewachsene Platzanspruch der Schule mit einem modernen Anbau befriedigt werden.

Auf einem Teil des alten Schulhofs schließt sich der Neubau direkt an die Strukturen des Bestands an. Da die alte Geschosshöhe beibehalten wurde, konnten die Flure einfach verlängert und pro Geschoss mit je zwei Klassen- und zwei Nebenräumen erweitert werden. Durch ein sehr glattes Putzsystem und die Aufnahme des charakteristischen Rottons einzelner Ziegel des Altbaus ist der Anbau konzeptionell als einzelner überdimensionaler Backstein gedacht, der sich optisch wie räumlich passgenau in die Ecke zur Wiener Straße einfügt. Eine Glasfuge leistet einen harmonischen Übergang zwischen alter und neuer Baumasse und die ­verlorene Pausenhoffläche wurde durch ein ­offenes Dachgeschoss wiederhergestellt. Holzdeck, Sitzbänke und Sonnenschirme konnten dem neuen Außenbereich zu ­einer hohen Aufenthaltsqualität ver­helfen und die Fläche auch für Unterricht unter freiem Himmel qualifizieren.

© Dietmar Strauß
© Dietmar Strauß

Der Neubau beherbergt einen ebenerdig erschließbaren Betreuungsbereich im Sockelgeschoss und Technikfachklassen im ersten Stockwerk. Die Fensterflächen zur südlich gelegenen, vielbefahrenen Straße wurden bewusst reduziert, um Unterricht bei geringem Außenlärm zu gewährleisten. Insgesamt ermöglicht der vergrößerte ­Innenraum der Haupt- und Werkreal­schule den Ganztagesbetrieb von sechs Jahrgangsstufen von der fünften bis zur zehnten Klasse und bietet außerdem genug Platz, um ein Schülercafé sowie eine Mensa mit eigener Küche aufzunehmen. Durch eine Mobilwand können zwei kleinere Räume zu einer großen Veranstaltungsfläche verbunden ­werden und so den Mangel einer fehlenden Aula ausgleichen. Durch den Rückbau der Nebenräume in den Fluren erhalten diese ebenfalls wieder mehr Aufenthalts­qualität. Räumlich stehen der Schule so keine ­Hinder­nisse mehr im Weg, ihren Schülern eine ausgedehntere und professionellere Ausbildung zu ermöglichen. Der höhere Standard kommt somit direkt dem Nachwuchs des Stadtteils und dem Ansehen der Einrichtung zugute.

Baujahr
2010
Bauherr
Landeshauptstadt Stuttgart
Fläche
1.700 m² BGF
Standort
Wiener Straße 76
70469 Stuttgart
Deutschland
Beteiligte
Projektleitung Hochbauamt: Frau Dipl.-Ing. Yvonne Kohler, ­Tragwerksplanung: Mayr + Ludescher ­Stuttgart, Fotografie: Dietmar Strauß

Neugebauer + Rösch Architekten

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Eberhardstraße 61
70173 Stuttgart
Deutschland

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